Lüttsche Burmeike van Dörpe

„Lüttsche Burmeike van Dörpe, wat bis du sau glatt.“ 

Kurz bevor sich unsere Wege trennen, fängt sie an zu singen. Wir lachen uns an und ich singe mit.

„Du wud wohl nea Kerken, oda wud du nea Stadt?“

Es ist kalt und diesig, doch das macht uns gerade gar nichts aus.

„Eck will nich nea Kerken, eck will nich nea Stadt“ 

So lange ist es her, dass wir dieses Lied zuletzt gehört haben.

„Eck will nea min Brüjam, doarum sin eck sau glatt.“

Meine beste Freundin und ich haben bei diesen vier Zeilen beide jemanden vor Augen, die schon lange nicht mehr sind. Unsere Großmütter haben uns das kleine Lied als Kinder immer mal wieder vorgesungen. Über den Text haben wir damals nicht großartig nachgedacht. Aber wir haben es wohl genossen, für unsere Omas das schönste Mädchen vom Dorf zu sein.

Ein paar Stunden später an diesem kalten, grauen Tag zwischen den Jahren singe ich das Lied ein zweites Mal.

„Lüttsche Burmeike van Dörpe, wat bis du sau glatt.“

Mir gegenüber sitzt eine alte Frau, die beste Freundin meiner Oma. 94 Jahre ist sie.

„Du wud wohl nea Kerken, oda wud du nea Stadt?“ 

Ich wollte sie fragen, ob sie noch mehr Zeilen von diesem alten Lied kennt, das meine Oma mir so oft vorgesungen hat.

„Eck will nich nea Kerken, eck will nich nea Stadt“

Nein, sagt sie. Mehr gibt es davon nicht.

„Eck will nea min Brüjam, doarum sin eck sau glatt.“

Aber sie kann sich noch genau daran erinnern, wie sie als kleines Mädchen dieses Lied gehört hat. Ihre Großeltern haben sie auf den Küchentisch gesetzt und es ihr vorgesungen. Und auch sie war in diesem Moment für ihre Großeltern das schönste Mädchen vom Dorf.

Düsset Leed is fer Anna – weil je üsch wat Wunnerboaret int Hachte esungen het.

7 Gedanken zu „Lüttsche Burmeike van Dörpe“

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