Hat Plattdeutsch ein Imageproblem?

Platt ist platt – die vermeindlich einfache Sprache der Landleute und Dörpsminschen hatte lange ein Imageproblem. Wer Plattdeutsch jenseits des dörflichen Raums sprach, galt als einfach, hinterher und auch ein bisschen dumm.  Aber ist das immer noch so?

Online-Umfrage zur Wirkung des Plattdeutschen

Anna Schwab studiert Sprachwissenschaften und befasst sich mit der Erforschung und Beschreibung von Dialekten (Dialektologie). Den niederdeutschen Fanblock in ihrem Herzen hat sie in Ostfriesland gefunden – und ihren Mann noch gleich dazu. Wie hübsch – aber das ist eine andere Geschichte.

2018_10_21_Tachblog_SC_Online_Umfrage_Anna_SchwabAnna Schwab habe ich über ein facebook-Posting in der Gruppe „Plattdeutsch – the language of champions“ entdeckt. Für ihre Masterarbeit hat sie ein Experiment gestartet – eine Online-Umfrage, in der sie untersucht, wie Plattdeutsch auf Menschen wirkt.

Macht da mal mit, das dauert 15 Minuten und Ihr braucht eigentlich nichts. Wenn Ihr ganz genau hinhören wollt, stöpselt die Kopfhörer an – ich fand, das lohnte sich.

Die Umfrage ist anonym. Neben Eurem ungefähren Alter, Geschlecht, dem aktuellen und den früheren Wohnorten werden keine persönlichen Daten abgefragt. Vielmehr geht es darum, wie Ihr „platt“ geworden seid und wie Ihr die plattdeutsche Sprache im allgemeinen wahrnehmt.

Richtig spannend sind die Tonspuren mit plattdeutschen Hörbeispielen und die Fragen dazu. Das Platt aus Ostfriesland ist echt komplett anders als das Niederdeutsch, das ich aus dem Schaumburger Land kenne. Aber Ihr versteht das und könnt dabei keine Fehler machen. Wenn Ihr irgendwann eine Frage entdeckt, die Euch nicht passt, steigt Ihr einfach wieder aus.

Für Anna Schwab und ihre Masterarbeit ist es sicher gut, wenn sie viele Ergebnisse ganz unterschiedlicher Teilnehmer auswerten kann. Deswegen: Setzt Euch auch mal mit Oma oder Euren Eltern hin und lasst sie mitmachen. Selbst wenn die sonst nichts mit dem Internet am Hut haben, finden sie diese Umfrage sicher interessant.

Wenn Ihr mehr über Anna Schwab erfahren wollt, klickt Euch doch mal auf ihren PlattdüütskBlog.

Entdeckt: Plattdeutsch-Projekte für groß und klein

Aber die Frage nach dem Imageproblem Plattdeutsch ist damit nicht beantwortet. Ich nehme in den letzten Monaten viele spannende Projekte auf Plattdeutsch wahr.

CD mit Geschichten in Schaumburger Platt

Dazu gehört die CD „Eck küer Platt, du ook?“. Der Arbeitskreis Plattdeutsch der Schaumburger Landschaft hat die CD in diesem Jahr produziert und im August beim Plattdeutschen Tag in Sülbeck vorgestellt. Zu hören sind „Geschichten und Vertellse ut den Schaumbörger Lanne twischen Steinhuder Mier un Bückebaarge“ also, Geschichten und Erzählungen aus dem Schaumburger Land zwischen dem Steinhunder Meer und Bückeburg. Wenn Ihr dazu ein bisschen mehr lesen wollt, klickt Euch durch die Artikel der Lokalzeitungen: Schaumburger Nachrichten, Schaumburg-Lippische Landeszeitung

„Der kleine Ritter Trenk“ als plattdeutscher Kinofilm

Für Kinder gedacht, aber für alle spannend, die gute Geschichten lieben, ist der Kinofilm „Der kleine Ritter Trenk“. Das Buch hat Kirsten Boie geschrieben und es liegt sicher in vielen Kinderzimmer-Bücherregalen. Allein der platte Trenk-Trailer ist so hübsch, dass man ihn sich mindestens zweimal anschaut. Bittesehr:

Den Trailer habe ich bei vimeo auf dem Kanal von barnsteiner-film entdeckt. Die Idee zu dem Film hatte der Verein „Platt und Friesisch in der Schule e.V.“ . Der Film ist eben angelaufen – in Lüneburg, Hamburg und Kiel. Hier findet Ihr einen spannenden NDR-Beitrag zu den Synchronisationsarbeiten.

facebook-Andacht der Nordkirche auf Plattdeutsch

Besonders gern habe ich die plattdeutsche Andacht von Bischöfin Kirsten Fehrs auf der facebook-Seite der Nordkirche gelesen. Obwohl sie das gar nicht kann, hat sie es einfach mal ausprobiert. Das sehen wir ja hier beim tachblog genauso – eenfach utprobeern.

https://www.facebook.com/plugins/post.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fnordkirche%2Fphotos%2Fa.449423505087709%2F2059832504046793%2F%3Ftype%3D3&width=500

Plattes Relevanzproblem: Ein Blick nach Gehrden

Eingentlich also alles gut mit dem Image des Plattdeutschen heute. Aber die gesamtgesellschaftliche Relevanz des Plattdeutschen dürfte gern diskutiert werden. Anfang September las ich diesen Artikel bei haz-online über Gehrden. Da hat sich die Kommunalpolitik gegen einen Beauftragten für Plattdeutsch ausgesprochen. Der oder die hätte sich ehrenamtlich für das Niederdeutsche engagiert. Grund für die Ablehnung laut Artikel: Die Stadt Gehrden sieht den Erhalt der plattdeutschen Sprache nicht in ihrem Aufgabenbereich. Es gebe andere Baustellen. Die Pflege des Kulturgutes Plattdeutsch könnten andere Träger wie Volkshochschule oder Heimatbund übernehmen.

Und wer kümmert sich um Plattdeutsch im Schaumburger Land?

Damit ist Gehrden nicht allein – auch im Landkreis Schaumburg gibt es neben dem Arbeitskreis Plattdeutsch der Schaumburger Landschaft sowie Gruppen und Vereinen wie dem Heimatverein und engagierten Einzelpersonen keine Einrichtung auf Kreisebene.

Happy Birthday: 20 Jahre Charta der Regional- und Minderheitensprachen

Dabei hat Deutschland die „Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen“ vor 20 Jahren ratifiziert. Inkraft gesetzt wurde sie 1999 – ein runder Geburtstag steht also vor der Tür. Ob er im Schaumburger Land gefeiert wird? Wer sich über die „Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen“ und die Bemühungen daraus, das Niederdeutsche als gesprochene Sprache zu erhalten, schlau machen will, ist hier richtig: beim Niederdeutschsekretariat & Bundesraat för Nedderdütsch.

Mein Fazit für heute: Image – gut, Relevanz – eben noch ausreichend.

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