Middewiekens Kaffeidrinken

Middewieken, Klocke Dreie  – Rauch steigt aus dem Schornstein eines kleinen alten Backhauses irgendwo im Schaumburger Land. Der Tisch ist gedeckt: Sechs Teller, sechs Gabeln und sechs Tassen warten auf sechs Männer. Kaffee und Kuchen sind fertig.

Einmal in der Woche klönen sie, über dies und das. Meist auf hochdeutsch, manchmal auf Platt. Wenn das erste Stück Kuchen gegessen ist, gibt es Musik. Mal hat einer eine alte Schallplatte dabei. Ein anderes Mal eine Kassette.

Irgendwo im Schaumburger Land

An manchen Tagen bleibt es nicht beim Hören – hier im kleinen Backhaus irgendwo im Schaumburger Land sind sie unter sich. Dann singen mit, was die Stimmbänder hergeben. Alte Lieder von früher und Schlager mögen sie besonders gern. Ein großer Spaß am Mittwochnachmittag. 

Kleine Kaffeetafel seit zehn Jahren

Fritz, Willi, Friedhelm, Ha-Wi, Heinz und Reinhard: die Sechs sind im Schaumburger Land geboren und aufgewachsen. Einige von ihnen haben sogar schon die Schulbank miteinander gedrückt. Als das Ende des Berufslebens in Sicht war, haben sie mit ihrer kleinen Kaffeetafel angefangen. Zehn Jahre ist es her, dass die ersten den Ofen im Backhaus angeheizt haben. Zwei Stunden etwa sitzen sie zusammen.

Den Platz frei halten

Eigentlich sind immer alle da – außer sie sind mal weg, Urlaub oder Familiengeschichten. Ganz selten ist ein Platz für längere Zeit leer geblieben. Das Leben hat ab und zu andere Pläne. Das wissen die Sechs nur zu gut und halten einander den Platz frei. Wenn alles erzählt, gehört, aufgegessen und ausgetrunken ist, dann machen sie Schluss. Sie sind zwar in Rente – aber zu tun haben sie alle und müssen wieder hin. Dennoch: eine kostbare Zeit mitten in der Woche. 

Sehr selten kommt Besuch

Dieses Kaffeetrinken ist etwas Besonderes. Die Männer bleiben für diese zwei Stunden unter sich. Ganz selten kommt Besuch. Die einzigen, die hier außer der Reihe mitmachen dürfen, sind die Enkelkinder. Dieser Besuch ist in Ordnung, finden sie. Da braucht auch gar keiner fragen. 

Eine Ausnahme für das TachProjekt

Diesen Sommer haben die Sechs eine Ausnahme gemacht: Ich durfte für 45 Minuten dazukommen, Kaffeidrinken, Kauken äten, Platt kürn un tauhürn. Ich bin für unser TachProjekt noch immer auf der Suche nach plattdeutschen Liedern, die im Schaumburger Land bekannt sind.

Plattdeutsche Lieder gesucht

Die sechs Männer kennen eine Menge: Dat du min Leevsten büst, Lüttsche Burmeike, den Jung mit’m Tüdelband. Diese plattdeutschen Lieder sind in ganz Norddeutschland sehr bekannt. Und in diese Reihe gehört auch das Lied “Wenn hea n Pott mit Bohnen stoaht” – finden die Männer. 

Das Bohnenpott-Lied

Es ist ein Tanzlied, das einmal mehr mit einem Augenzwinkern gemeint ist. In einigen Regionen ist es auch unter dem Namen “Bohnenpott-Lied” bekannt.  Das Lied gibt es in unzähligen Variationen – vom Rheinland bis an die Nordsee. Egal wo: Besungen wird Marie, die Gute, für die der Mann alles stehen und liegen lässt.  In mindestens sieben Strophen wird der Weg vom Tanz bis vor den Traualtar besungen und der Nachwuchs bereits in fröhliche Aussicht gestellt. Ein lustiges Liedchen, das in einem gemütlichen Polkatempo daherkommt. 

Das passt dann auch sehr gut an einem Mittwoch um Drei in ein kleines altes Backhaus, irgendwo im Schaumburger Land. 

Christian und ich haben Euch mal ein zwei Strophen zum Reinhören auf das Handy gesungen. Hört es Euch an

Der Text vom Bohnenpott-Lied

Und wie gehabt, findet Ihr hier eine Version des Textes vom „Bohnenpott-Lied“ in ganzer Länge. Singt mit und habt Spaß – dafür ist es gemacht.

  1. Wenn hier en Pott mit Bohnen steiht
    un dor en Pott mit Bri,
    denn lat ick Bri un Bohnen stahn
    un gah na min Marie.
    Marie, Mara, Maruschkaka,
    Marie, Mara, Marie, Marie,
    Mara, Maruschkaka, Marie, Mara, Marie.
  2. Und wenn Marie nich danzen kann,
    dann het se n schejpet Bein.
    Denn tü’n langet Röckchen an,
    denn is et nich tau sein.
    Marie, Mara, Maruschkaka…
  3. De Meike, is sau prick un nett,
    sau schön as Melk un Blot;
    de krusen Hoor up ehren Kopp
    wägt mehr as hunnert Lot.
    Marie, Mara, Maruschkaka,…
  4. Ehr Hand, de is sau putt un week,
    ehr Arm sau prall un rund.
    Ick drück Marie woll an min Bost
    un küß ehr up den Mund.
    Marie, Mara, Maruschkaka,…
  5. Un wenn se meck denn wedder küßt,
    sau hartlich un sau tru,
    denn seg ick: „Ehr en Johr vergeiht,
    büst du min söte Fru.“
    Marie, Mara, Maruschkaka,…
  6. Un wenn dat Johr denn rümmer is,
    hört meck de Meike ganz,
    denn dräggt se ne sneewitte Huw‘
    statt eenen Jungfernkranz.
    Marie, Mara, Maruschkaka,…
  7. Un is denn noch en Johr vörbi,
    sau schenkt uns Gott en Kind.
    Denn lach‘ ick, un denn freu ick meck,
    dat wi sau glücklich sünd.

Ach ja, eck harre n Stauhl vert Koppenne van Dische ekricht. Un n Tasse gaff da ok ver meck – mie min Noam doarup. Minsche, eck glöve, eck schall woll wia kuamen? 😉

3 Gedanken zu „Middewiekens Kaffeidrinken“

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