Plattdeutsch in Amerika

Zweimal Hamburg, zweimal Schaumburg: Die große Stadt an der Elbe und der kleine Landstrich in Niedersachsen haben ihre Namen neuen Orten in Nord- bzw Südamerika gegeben. Hamburg ist ein kleiner Ort in Paraguay, Schaumburg ein Vorort von Chicago, Illinois. Wie es dazu kam und warum Plattdeutsch eine wichtige Rolle spielt:

Plattdeutsch ist international

Plattdeutsch ist international – klar, werdet Ihr sagen. Niederdeutsch ist in einem Großteil des europäischen Sprachraums verbreitet. Aber wusstet Ihr, dass auch in Nord- und Südamerika in den letzten Jahrhunderten Plattdeutsch für viele Menschen Muttersprache war und sogar bis heute ist?

Von Schaumburg nach Illinois

Auswanderer haben Plattdeutsch vom Norden Deutschlands in die ganze Welt getragen. Ein wenig Gepäck und ihre niederdeutsche Sprache haben sie mit aufs Schiff und über den großen Teich genommen. 150 Jahre ist es her, dass auch im Schaumburger Land eine Auswanderungswelle einsetzte.

Fritz Nerge: Schaumburg schall et heiten

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„Schaumburg schall et heiten“: Friedrich Nerge aus Reinsdorf bei Apelern wird dieser Ausspruch zugeschrieben. Lautstark soll er so eine langwierige Diskussion beendet haben. Unterstrichen mit einem kräftigen Schlag auf den Tisch. Fritz Nerge war einer von vielen Menschen, die aus dem Schaumburger Land, genauer gesagt aus Apelern und den umliegenden Dörfern, nach Amerika ausgewandert sind. Viele von ihnen ließen sich in der Nähe von Chicago nieder. In einer Einwohnerversammlung irgendwann zwischen 1851 und 1854 wurde ein Name für den wachsenden Ort gesucht.

Schaumburg mal Drei

Fritz Nerge hat sich durchgesetzt. Schaumburg gibt es nun zweimal, nein eigentlich dreimal: Das Dorf Schaumburg im Naturpark Weserbergland gehört heute zu Rinteln und liegt im Landkreis Schaumburg. Und das Schaumburg in Illinois ist heute ein Vorort von Chicago, in dem mehr als 80000 Menschen leben.

Plattdeutsch lange Zeit vor Englisch

Kurios: Die Schaumburger blieben in Amerika weitestgehend unter sich. Selbst eine Vermischung mit Auswanderern aus dem Königreich Hannover gab es kaum. Gesprochen haben sie Plattdeutsch. Die ersten Gottesdienste in Schaumburg/Illinois in englischer Sprache gab es erst ab 1920.  Ob heute dort noch Plattdeutsch gesprochen wird? Wenn das jemand weiß, lasst doch einen Kommentar da.

Plattdeutsch in Paraguay

In Südamerika gehört Plattdeutsch seit Generationen zu den gesprochenen Sprachen. Im Chaco, der Savannenlandschaft zwischen Argentinien, Brasilien und Bolivien, ließen sich vor gut 90 Jahren deutsche Mennoniten nieder. Sie machten sich mit viel Fleiß und großer Bescheidenheit die unwirtliche Gegend zunutze und gründeten zum Beispiel Hamburg.

Von Hamburg nach Hamburg

Dort war der NDR-Redakteur Daniel Kaiser aus Hamburg an der Elbe zu Besuch. Mehr als 22000 Kilometer hin und zurück, drei Wochen vor Ort und unzählige Begegnungen auf Hoch- und Plattdeutsch: Daraus ist ein richtig spannender Radio-Beitrag unter der Überschrift „Plattdeutsch in Paraguay“ geworden, den Ihr auf der NDR-Seite anhören könnt.

Plattdeutsch heißt Plautdietsch

Dort heißt Plattdeutsch übrigens Plautdietsch und es klingt ganz anders als das Niederdeutsche in Niedersachsen oder Schleswig-Holstein. Aber verstehen kann man es doch. In diesem Jahr kommen Plautdietsch-Sprecher zu einer großen Konferenz zusammen, um sich auszutauschen.

Wir haben mit Daniel Kaiser über seine Reise gesprochen. Das lest ihr im Artikel Plautdietsch in Paraguay.

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Linktipps

Wenn Ihr ein bisschen was zur Schaumburger Deutsch-Amerikanischen-Gesellschaft lesen wollt, könnt Ihr das hier machen.

Ein etwas älterer Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung mit der Überschrift „Die deutsche Kolonie in den Subtropen Paraguays“ des Dossiers Lateinamerika ist lesenswerter Artikel über die Mennoniten in Paraguay.

Wer den Beitrag „Plattdeutsch in Paraguay“ lieber lesen möchte, findet auf der NDR-Seite ganz unten ein pdf des Manuskripts der NDR Info Forum an Sonntag Sendung als kostenlosen Download.

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