Daniel Kaiser in Paraguay.

Plautdietsch in Paraguay

Daniel Kaiser ist von Hamburg nach Hamburg geflogen. 11000 Kilometer liegen dazwischen. Was der NDR-Redakteur da gemacht hat? Plattdeutsch hören.

Aber der Reihe nach: Plattdeutsch ist international. Das Niederdeutsche wird in vielen Ländern, vorwiegend in Europa verstanden und gesprochen. Aber Plattdeutsch gibt es auch in Amerika. Hier wie dort unzähligen Dialekte, die aber alle eine Sprache sind.

Die Wurzeln in Friesland

Plautdietsch ist das Niederdeutsche der Mennoniten, eine evangelische Freikirche, die auf die Täuferbewegung der Reformationszeit zurück geht. Den Namen haben die Christen vom Theologen Menno Simons aus Friesland. Mehr zur den Mennoniten heute lest Ihr hier.

Von Norddeutschland nach Südamerika

Politisch bedrängt, zogen sie sich aus Norddeutschland und Europa zurück – bis nach Paraguay in Südamerika. Im Chaco leben bis heute Mennoniten, die Hoch- und Plattdeutsch sprechen. Ein Ort heißt Hamburg – wie das Tor zur Welt an der Elbe.  Sogar einen eigenen Radiosender gibt es dort, der auf Hoch- und Plattdeutsch sendet.

Plattdeutsch in Paraguay?

Aber wie kommt man darauf, ausgerechnet in Südamerika nach Plattdeutsch zu suchen? Und dann auch noch in einem ziemlich entlegenen Savannengebiet in Paraguay? Durch einen Zufall, sagt Daniel Kaiser. Er hatte bereits einen Beitrag über die Mennoniten in Hamburg veröffentlicht. Diesen wiederum hat ein Mennonit aus den plattdeutschen Kolonien in Paraguay gelesen – ein Kollege sozusagen. Er arbeitet beim Radiosender ZP 30  und hat Daniel Kaiser eingeladen. Und er ist losgeflogen: Im Gepäck Mikrofon und Aufnahmegerät.

Daniel Kaiser über den Sound seiner Kindheit

Plattdeutsch sprechen kann Daniel Kaiser nicht – aber verstehen. „Ich bin in Lübeck aufgewachsen. Die Familie meines Vaters kam aus Ostpreußen. Die Familientreffen bei meiner Oma waren ostpreußisch-plattdeutsche Feuerwerke. Das war ein ganz besonderer Sound meiner Kindheit.“

Plattdeutschkurs an der Volkshochschule

Außerdem kommt er als Kulturredakteur beim Norddeutschen Rundfunk an der niederdeutschen Sprache nicht vorbei. „Ich bin häufig im Ohnsorg-Theater und komme fast immer mit dem Vorsatz aus den Vorstellungen, jetzt endlich einen Volkshochschulkurs zu belegen“, sagt Daniel Kaiser.

Glück gehabt bei plattdeutscher Auktion

In Paraguay ging das auch ohne. Die Mennoniten haben mit ihm Hochdeutsch gesprochen, das sie fast alle erst der Schule lernen. „Manche hochdeutschen Worte nennen sie „langbeinig“, weil sie in plattdeutschen Ohren wohl besonders gewählt klingen“, erinnert sich Daniel Kaiser. Doch auch das Plautdietsche hat er fast immer verstanden. „Nur bei einer Auktion am Erntedankfest hätte ich versehentlich fast einen Heuballen ersteigert.“

Beeindruckt von der Geschichte der Mennoniten in Paraguay

Es wäre ein ganz besonderes Reisesouvenirs gewesen – passend zu einer ganz besonderen Reise, die Daniel Kaiser sehr beeindruckt hat. „Die ganze Geschichte der Besiedlung ist atemberaubend“, sagt er. „Was die Menschen dort in den vergangen 90 Jahren geschafft haben, ist ein Wunder alttestamentlichen Ausmaßes.“ In Ruhe leben, in der Abgeschiedenheit glauben dürfen: Das war das Ziel der Mennoniten. „Sie sind jetzt so erfolgreich, dass aus ganz Paraguay Menschen kommen, um am Reichtum teilzuhaben. Auch die Indigenen wollen ein gutes Leben führen.“ Die Mennoniten seien im Chaco mittlerweile in der Minderheit. „Es ist nahezu ergreifend, wie die sie versuchen, die anderen auf ihrem Weg mitzunehmen, wie sie den Indigenen beispielsweise geduldig immer wieder das Geheimnis ihres wirtschaftlichen Erfolges erklären und die vielen Rückschläge, die sich aus Mentalitätsunterschieden ergeben, mit Langmut verkraften.“ Gleichzeitig sei es ihnen ein Anliegen, das Wort Gottes zu verkünden und zu missionieren. „Sie ringen um eine glaubwürdige Position, wenn sie als reiche Mennoniten den armen Ureinwohnern von Gott erzählen“, so Daniel Kaiser.

Plautdietsche Medienkonferenz in Detmold

Übrigens: Plautdietsch-Sprecher gibt es nicht nur in Paraguay, sondern auch in Kanada, Mexico und Deutschland. Im Herbst 2019 findet in Detmold, im Kreis Lippe, die Plautdietschen Medienkonferenz statt. Dann fliegen die Mennoniten aus Hamburg in Paraguay nach Hamburg an die Elbe – 11000 Kilometer eine Strecke. Warum? Um Plattdeutsch zu sprechen.

Den Beitrag Plattdeutsch in Paraguay könnt Ihr hier nachhören. Auf der Seite gibt es auch ein PDF mit dem Manuskript des Radiobeitrags zum Nachlesen.

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